ABIMA 2002

Lernen unter widrigsten Umständen

2002 wollten wir uns ein Bild vom Schulwesen in Debre Markos machen, da uns viele Schüler in diversen Schuluniformen auf unserem Weg ins Krankenhaus begegnet sind und gut englisch sprachen.  Ein Politiker aus Debre Markos zeigte uns die Abima Elementary School, eine grosse Schule mit  Geschichte (1964 gebaut, bereits einmal mit schwedischer Hilfe teilweise renoviert).

Die Schule besteht aus Gebäuden sehr unterschiedlicher Qualität, die meisten aus mit Erde verputzten Rohbauten aus Eukalyptusstämmen. Einige davon sind aufgrund der Baufälligkeit nicht mehr verwendbar, es gibt keinen Strom, keine Toiletten, bei Regen steht der Boden sofort komplett unter Wasser, und dennoch wurden dort in den besten Zeiten 3500 Schüler unterrichtet.

Wir besuchten einige Klassen, und konnten mit den Kindern und Lehrern sprechen. Schon lange war eine Renovierung geplant, die Skizzen und Projekte fertig, aber es fehlte an Geld. Von politischer Seite war eine Unterstützung nicht zu erwarten, da jede Stadt in solchen Belangen auf Selbsthilfe angewiesen war.

Unterrichtet wurde mit einfachsten Mitteln, in einer Klasse waren je nach Bildungsstand verschiedenste Altersgruppen vertreten. Viele Kinder mussten jahrelang ausschliesslich Vieh hüten bzw zu Hause arbeiten, bevor sie erstmals eine Schulbildung erhielten. Zwar besteht eine gesetzliche Schulpflicht, die aber praktisch nicht kontrolliert wird. 
Die Kinder arbeiten auf kaputtem Mobiliar oder am Boden, aufgrund der kleinen Fenster ist kaum Licht im Raum. In einem Jahr erlebten wir einen Platzregen während eines Schulbesuchs, wir standen nach wenigen Minuten bis zu den Knöcheln im Schlamm (die Situation während der Regenzeit konnten wir uns in etwa ausmalen).

 

Man legte uns Pläne vor und präsentierte Berechnungen, wie eine sinnvolle Renovierung bzw Erweiterung der Schule aussehen könnte. Diese Unterlagen und auch Fotos bzw Videoaufnahmen von der Situation vor Ort zählen zu den eindrucksvollsten Dokumenten, die wie aus Debre Markos mitbrachten. Wir diskutierten viel im Team, ob wie eine Renovierung unterstützen sollten, da unser primäres Ziel im medizinischen Bereich lag und es mit Sicherheit eine Unzahl von analogen Projekten gegeben hätte. Da uns aber sowohl die Nachhaltigkeit dieses Unterfangens als auch die konkrete Umsetzbarkeit gefiel, entschieden wir uns hier einzusteigen.