Pfad:  Startseite > Projekte > Entwicklungshilfe > Jimma - Äthiopien > Jimma 2009

Jimma 2009

Vor einigen Jahren wurde in der äthiopischen Universitätsstadt Jimma seitens der Christoffel Blindenmission bzw "Licht für die Welt"  eine neue Augenklinik aufgebaut, an der Ausbildungsstellen für Augenärzte geschaffen wurden. Da leider - wie in anderen Landesteilen ebenfalls - Personalfluktuationen sehr gross sind, war es notwendig, 2009 ein fast zur Gänze neues Team an Augenärzten chirurgisch auszubilden. Dr. Yeshigeta konnte als chirurgisch erfahrener äthiopischer Augenarzt für die Leitung der Abteilung gewonnen werden.

Nach 6 vorangegangenen Einsätzen in Debre Markos entschieden wir uns heuer einer Einladung von Licht für die Welt zu folgen und erstmals im April 2009 nach Jimma zu gehen.

Jimma liegt auf 1800m Seehöhe, zählt etwa 250.000 Einwohner, und ist durch die Universitäts-Klinik medizinisch gut positioniert. Es exisitieren internationale Partnerschaften, entsprechend trifft man in den Klinikenhäufig europäische Kolleginnen und Kollegen.

Dass wir in einer grossen und aufstrebenden Stadt arbeiteten, zeigte sich an der viel besseren Infrastruktur, an den Touristen und auch an der regen Bautätigkeit.

Im Gegensatz zu unseren bisherigen Einsätzen, in denen eine grosse Anzahl an durchgeführten Operationen pro Einsatz im Vordergrund standen, war unser Auftrag diesmal Lehre bzw. Fortbildung mit sowohl praktischen als auch theoretischen Schwerpunkten. Der Fokus unserer Tätigkeit lag auf Kinderaugenheilkunde im Allgemeinen, Schieldiagnostik und -chirurgie, sowie plastischer- und Tränenwegschirurgie bzw. Traumatologie. Kataraktoperationen an allen Altersgruppen waren ebenfalls geplant.

Am Vormittag arbeiteten wir fast täglich mit unseren äthiopischen Kollegen im OP, die übrige Zeit waren in der Ambulanz, um mit den Assistenten und Fachärzten einbestellte Patienten zu begutachten und echtes "bedside-teaching" durchführen zu können. Täglich ab 16.00 Uhr hielten wir Vorlesungen über operative Eingriffe mit Video- und Bildmaterial und anschliessender Diskussion.

Die Augenklinik in Jimma ist ein grosses eigenständiges Gebäude mit viel Platz und besitzt einen zentral gelegenen OP-Trakt. Es gibt im Haupt-OP zwei Tische für intraokulare Augenoperationen und einen Eingriffsraum für kleinere Operationen ("minor-surgery", Lidchirurgie etc.). Die Ambulanz besteht aus mehreren Untersuchungseinheiten, weiters wird eine Brillenwerkstatt von einem Optiker betrieben. Es gibt je eine Frauen- und Männerstation. Als Universitätsaugenklinik sind natürlich Vorlesungsräume bzw. Seminarräume vorhanden.

Neben  Ausbildungsstellen für Augenärzte werden seit einem  Jahr in Äthiopien  auch OP-Pfleger und Schwestern für die eigenständige Durchführung von Katarakt-Operation ausgebildet ("Cataract surgeons"), da die Lage im Land eine grosse Zahl an Chirurgen erfordert und nicht genug Ärzte existieren. Jimma ist eine Trainingsstätte für diese Berufsgruppe, deren Mitglieder von peripheren Krankenhäusern für 3 Jahre in ein solches Zentrum gesendet werden und intensiv in operativer Augenheilkunde geschult werden.

An der Augenklinik werden schwerpunktmäßig Katarakt- und Trachomoperationen in grosser Zahl durchgeführt, es existiert ein YAG-Laser (für die Nachstarbehandlung, einer Folgeerkrankung des grauen Stars) und ein Netzhautlaser, der allerdings derzeit aus Kompatibiltätsgründen nicht verwendet werden kann.

Dr. Yeshigeta als Chef der Augenabteilung besitzt ein breites operatives Spektrum dank einer guten Ausbildung in Nairobi, neben ihm operieren drei weitere Augenärzte, 2 davon noch als Assistenten. Miteinander führen sie die theroretische bzw. operative Ausbildung der KollegInnen und "cataract surgeons" durch.

Für uns sehr beeindruckend war das personell gut ausgestattete und sehr motivierte Team der Augenabteilung, das einen ausgezeichneten Wissenstand hatte. Die Bereitschaft neue Techniken zu sehen und zu lernen war sehr groß. Neben operativen Variationen bei der Katarakt-OP demonstrierten wir Schieloperationen, korrigierten gemeinsam Lidfehlstellungen, und operierten auch Kinder in Narkose oder örtlicher Betäubung. Wiederum erstaunlich für uns war die Mitarbeit von 7-jährigen Kindern, die eine Katarakt-Operation ohne Vollnarkose über sich ergehen liesen. Allgemeinnarkosen sind in Jimma trotz der grossen Klinik schwierig, da es immer wieder zu Stromausfällen kommt, und in solchen Fällen vor allem keine gute Schleim-Absaugung für die Anästhesisten möglich ist, was ein grosses Risiko für den Patienten bedeutet, und oft im Verweigern von Intubationsnarkosen gipfelt.

Für die kommenden Jahre ist eine Fortsetzung der OP-Kampagnen geplant.